Ein besonderer Hausbesuch
Zwei Jahre im abgedunkelten Zimmer. Zu schwach, um aufzustehen, zu sprechen oder richtig zu kauen. So sah der Alltag von Tabea aus, die schwer an ME/CFS erkrankte. Dr. Johannes Buderer begleitete sie bei Dreharbeiten für stern TV. Ihre Geschichte gibt Einblick in eine Erkrankung, deren Betroffene oft unsichtbar bleiben.
Long COVID und ME/CFS: Eine Geschichte, die uns bewegt
Zwei Jahre im Dunkeln. Mit Maske und Gehörschutz. Zu schwach, um aufzustehen, zu sprechen oder auch nur richtig zu kauen.
So sah der Alltag von Tabea aus, die nach einer COVID-19-Infektion schwer an ME/CFS erkrankte. Selbst einfachste alltägliche Tätigkeiten waren für sie kaum mehr möglich.
Nach einer mehrmonatigen Behandlung im Krankenhaus Bietigheim, wo sie von einem engagierten Arzt und seinem Team intensiv betreut wurde, machte Tabea Schritt für Schritt Fortschritte.
Was für andere selbstverständlich ist, war für sie ein riesiger Schritt: wieder aufstehen. Wieder gehen. Wieder am Leben teilhaben.
Ihre ersten Gehversuche hielt sie auf ihrem Instagram-Kanal @tabiwabiii fest. Das Video ging viral und machte schließlich eine Journalistin auf ihre Geschichte aufmerksam.
Für einen Beitrag von stern TV wurde Tabea bei Dreharbeiten begleitet. Auch ihr behandelnder Hausarzt, Dr. Johannes Buderer, war dabei.
Was ist ME/CFS?
ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) ist eine schwere, chronische Multisystemerkrankung, die häufig nach einer Infektion auftritt. Sie betrifft unter anderem das Immunsystem, das autonome Nervensystem und den Energiestoffwechsel.
Ein zentrales Merkmal ist die sogenannte Post-Exertionelle Malaise (PEM): Schon kleinste körperliche oder geistige Anstrengungen können die Beschwerden erheblich verschlimmern – oft zeitverzögert und über Tage hinweg. Für Schwerstbetroffene können selbst ein Gespräch, eine Dusche oder wenige Schritte zu viel sein. Manche sind dauerhaft bettlägerig und auf Pflege angewiesen. Licht, Geräusche und Berührungen können kaum erträglich werden.
ME/CFS ist dabei keineswegs selten: Einer 2026 veröffentlichten Modellierungsstudie zufolge leben in Deutschland schätzungsweise 657.000 Menschen mit der Erkrankung. Das wären mehr als doppelt so viele wie mit Multipler Sklerose (MS).
Trotzdem bleibt ME/CFS für viele Menschen nahezu unsichtbar. Schwer Betroffene können häufig nicht mehr arbeiten, soziale Kontakte pflegen oder ihr Zuhause verlassen. Ihr Leid bleibt oft hinter geschlossenen Türen verborgen.
Obwohl ME/CFS bereits lange vor der Coronapandemie bekannt war, wurden Betroffene über Jahrzehnte häufig nicht ernst genommen. Ihre Beschwerden wurden verharmlost oder fälschlicherweise als rein psychisch bedingt eingeordnet. ME/CFS ist jedoch keine psychische Erkrankung. Psychische Belastungen können als Folge der schweren körperlichen Einschränkungen auftreten, erklären aber nicht die Erkrankung selbst.
Bis heute ist ME/CFS unzureichend erforscht. Es fehlen wirksame ursächliche Behandlungsmöglichkeiten und vielerorts geeignete medizinische Versorgungsstrukturen.
Eine Geschichte, die uns bewegt
Tabeas Geschichte hat uns tief beeindruckt und berührt. Wir bewundern ihren Mut, ihre Stärke und ihre Offenheit, mit der sie ihre Erfahrungen teilt. Sie ist für uns ein echtes Vorbild.
Gleichzeitig wissen wir, dass es viele Menschen mit ME/CFS gibt, deren Geschichten nie erzählt werden. Menschen, die so schwer erkrankt sind, dass ihnen selbst die Kraft fehlt, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Viele haben nicht die Möglichkeit, vergleichbare gesundheitliche Fortschritte zu erleben, und bleiben über Jahre schwerstbetroffen.
Auch diesen Menschen möchten wir mit Tabeas Geschichte eine Stimme geben. Denn hinter jeder Erkrankung steht ein Mensch, dessen Schicksal Aufmerksamkeit, Verständnis und eine angemessene medizinische Versorgung verdient.
Wir sind dankbar, Tabea auf einem Teil ihres Weges begleiten zu dürfen, und freuen uns, dass ihre Geschichte durch stern TV eine größere Öffentlichkeit erreicht.
Wir hoffen, dass dadurch auch die Geschichten vieler anderer Betroffener gehört werden – und ME/CFS endlich die gesellschaftliche Aufmerksamkeit, medizinische Versorgung und Forschung erhält, die diese schwere Erkrankung dringend braucht.
Danke, liebe Tabea, für dein Vertrauen und dafür, dass du deine Geschichte mit uns teilst!